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Stätten
der Welt (Martin Büsser in Testcard #14)
Dem Fotografen Holger Dosch ist mit Stätten der Welt ein Künstlerbuch
ganz im Sinne des Prankstertums gelungen, also: Normabweichung und
Irritation. Von Außen wirkt das Buch wie ein UNESCO-Geschenkband,
eine Art hochoffizielle, nüchtern gehaltene Broschüre, wie
sie gerne anlässlich von Staatsakten oder Konferenzen an ausländische
Gäste verschenkt wird. Doch der Fotoband über die „berühmtesten
Stätten der Welt“ zeigt nicht die Niagara-Fälle, den Mount
Fuji, das Brandenburger Tor, die Golden Gate Bridge, die Akropolis
und das Weiße Haus, sondern lediglich die Toiletten, die sich
an diesen Orten befinden. Zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten
gibt es Textkommentare und Tipps, die sich wiederum nicht auf die
Toiletten, sondern auf die Sehenswürdigkeit selbst beziehen und
jene steife Intimität imitieren, die auch offiziellen Reiseführern
zugrunde liegt, etwa zum Eiffelturm: „Genau unter dem Stahlkoloss
wird der Blick wie magisch nach oben gezogen.“
Man könnte dieses Toilettenbuch und seine Kritik an der „Repräsentationsfunktion“
berühmter Gebäude und Sehenswürdigkeiten als Fäkal-Witz
abtun, hätte es nicht einen soziokulturellen Nutzwert: Selbst
noch die Toiletten geben Auskunft über die kulturellen Besonderheiten
des jeweiligen Ortes, spiegeln Reichtum oder Armut des jeweiligen
Landes wieder und zementieren Repräsentationskultur selbst noch
im intimsten, abgeschlossenen Bereich. Dass Repräsentationsbauten
„oft bis zur Unkenntlichkeit renoviert“ und Naturdenkmäler überlaufen
werden, wie Dosch kritisiert, wird auch über die an all diesen
Orten präsenten Toiletten deutlich. Den überflüssigen
Geschenkbüchern ist somit ein weiteres überflüssiges
hinzugefügt worden, allerdings eines, das seine Überflüssigkeit
nicht verbirgt und das man daher sehr gerne verschenken möchte. |
| Immer
der Nase nach - Ein Reiseführer zu den wohl meistbesuchten
WCs der Welt (Unicum)
Seien wir doch mal ehrlich: Die prägendsten Urlaubserinnerungen
sind oft nicht die, die man mit der Digicam festhält. Holger
Dosch dagegen nahm sich sogar ein Jahr Zeit, um hinter die glitzernde
Fassade der Touri-Fallen zu blicken. Das Ergebnis: Ein Reisebildband
der besonderen Art.
Vom Marmorweiß bis zum Umbrabraun: Holger Doschs "Stätten
der Welt" zeigen alle Schattierungen. Über 80 Sehenswürdigkeiten
bereiste der Münchner in einem Jahr und lichtete mit der Kamera
ab, was vor ihm schon viele Reisende besucht haben: Vom Taj Mahal
bis zum Zuckerhut, vom Empire State Building bis zum Ayers Rock.
Doch zwischen Doschs Büchlein und anderen Hochglanz-Reiseführern
gibt es einen entscheidenden Unterschied: Holger Dosch fotografierte
ausschließlich die "stillen Örtchen" der Sehenswürdigkeiten.
" Die Idee zu den Fotos entstand während einer Reise nach
Paris", so der Wirtschaftsingenieur. "Auf dem Eifelturm
sah ich eine vollautomatische, selbstreinigende Toilette, die von
einer Klofrau bewacht wurde. Das fand ich sehr bizarr und fragte
mich, ob nicht auch andere Touristen- Attraktionen interessante
Klos haben." 2002 nahm sich der Münchner Unternehmensberater
eine Auszeit und verwirklichte seine Idee. Getreu dem Motto "Kommen,
sehen, auslösen" lichtete er jede Kloschüssel in
ihrem Urzustand ab. Knallhart, ohne Beschönigung, und erst
recht ohne Vorspülen. "Mit dem Buch wollte ich ausprobieren,
ob Toiletten Indikatoren einer Kultur sein können", fachsimpelt
Dosch. Und so bieten die Bilder einen entsprechend eindrucksvollen
Einblick in andere Kulturen, oft tiefer, als manch Zartbesaitetem
lieb sein dürfte.
Dabei scheint sich sogar ein bisher unbeachtetes Forschungsgebiet
aufzutun. "Grundsätzlich teilt sich die Toilettenwelt
in Sitz- und Stehklos und in Toiletten mit oder ohne Spülung",
erklärt der Klo-Experte. Egal, ob tibetische Holztoiletten
mit Haltevorrichtungen, von denen er "bis heute nicht weiß,
wie man sie richtig benutzt" oder die unzähligen Knöpfe
und Schalter eines japanischen High-Tech-Klos, nichts Menschliches
ist ihm fremd. Als gewöhnungsbedürftig erwiesen sich jedoch
selbst für den WC-Autodidakten öffentliche chinesische
Toiletten ohne Trennwände. Er selber bevorzugt noch immer die
europäische Variante: "Generell fand ich Sitzklos schon
am angenehmsten."
Zum Glück ist aus seiner Idee kein geschmackloser Sanitärhauskatalog
geworden: Je länger man in dem Band blättert, umso faszinierter
starrt man in die Schüsseln. Fast scheint es, als entströme
dem Buch ein Hauch von Kanalisation und Chlorreiniger, denn das
sterile Weiß der Seiten steht im Kontrast zu dem teilweise
eher bräunlichen Inhalt der Örtlichkeiten. "Mir gefiel
die Vorstellung "schmutzige Orte" auf sauberem weißen
Papier abzubilden", so Dosch. "Der Leser soll mit der
Erwartung, er sehe einen edlen Reisebildband, das Buch in die Hände
nehmen."
In den Kapiteln "Natur", "Kultur" und "Religion"
sind die Aborte der entsprechenden Sehenswürdigkeiten fein
säuberlich voneinander getrennt. Jede abgelichtete Kloschüssel
wird durch aufschlussreiche Zusatzinformationen ergänzt. Akribisch
werden Längen- und Breitengrad der Örtlichkeit, Lage,
Entstehungszeit sowie zusätzliche Tipps aufgelistet, um die
Klolektüre abzurunden. "Picknicken Sie in der Nähe?"
so der Ratschlag für die Toilette des englischen Stonehenge.
Und neben der Abbildung des WCs im Opernhaus Sydney ist zu lesen:
"Der Besucheransturm beginnt gegen elf Uhr. Kommen Sie früher
und bewundern Sie die exquisite Struktur der weißen Kacheln."
"Das Buch ist eine Parodie auf Hochglanzreisebände, auf
deren Leser und ihre Erwartungen", meint Dosch abschließend.
"Mich hat immer gestört, dass die meisten Reisebücher
die gleichen klischeehaften, schwelgerischen Ansichten von Sehenswürdigkeiten
bieten." An manchen Orten seien die Klos tatsächlich sehenswerter
als die eigentlichen Wahrzeichen, so Dosch. Ansonsten gilt für
alle Reisenden die Regel: Je höher gelegen und je religiöser
die Stätten, desto beschissener das Klo. |
| Der
Ort und sein Örtchen (Georg Seeßlen)
Auf den ersten Blick
ist dies eine durch ihre gnadenlose Reduktion überzeugende
Satire auf die Reiseführer, die schwelgerischen Fotobände
und die Verwandlung der Welt ins publizistische Coffee-table-Format:
Holger Dosch bereist für seinen Fotoband „Stätten der
Welt“ die „Stehenswürdigkeiten“ unserer Erde, von den Niagara-Fällen
zum Opernhaus in Sydney, von Neuschwanstein zur Großen Chinesischen
Mauer. Und er fotografiert davon ausschließlich eine „andere
Seite“, den Ort, an dem sich der Blick verengt und den man üblicherweise
nicht speichert im fotografischen Gedächtnis der Reise – wohl
aber in den Tiefen der eigenen Erfahrung: Der Ort setzt sich in
der Erinnerung zusammen aus dem, was man sieht, was man hört,
was man riechen und schmecken kann und muss, und wie man mit der
körperlichen Entsorgung fertig wird. (mehr)
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| Bildbandparodie:
Reisetipps neben der Schüssel (Go München)
Noch so ein Buch zum Verschenken nach dem Motto "Für
den, der schon alles hat"? Vielleicht. "Reisebildbandparodie"
nennt der Autor Holger Dosch seinen im Münchner Bodensatz Verlag
erschienen Bildband "Stätten der Welt". Dosch nimmt uns
mit auf eine Weltreise vom Ayers Rock in Australien, über den japanischen
Mount Fuji, das Brüsseler Atomium bis hin zum Empire State Building.
Nur dass er uns nicht die totfotografierten Touristenstätten ein
weiteres Mal präsentiert, sondern sich dort aufs Klo begibt und
Vergleiche anstellt, insgesamt 50 an der Zahl. Akribisch wird neben
der Toilettenschüssel vermerkt, um welche Sehenswürdigkeit es sich
handelt, es folgen eine kurze Beschreibung sowie ein nützlicher
Reisetipp wie "Warten Sie, bis der Berg mit den einmaligen
"Tafeltuch"-Wolken bedeckt wird. Vorsicht vor Raubüberfällen!"
Man kann das Ganze nur als Klamauk nehmen, sicher. Nach anfänglicher
Skepsis jedoch ist man plötzlich doch in dieses Büchlein vertieft
und, ja, findet es originell.
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Weihnachtsgeschenk
für Globetrotter (Playboy)
Der Bildband "Stätten
der Welt" (Bodensatz, 12,90 Euro) von Holger Dosch wird...die
Augen für das Wesentliche öffnen. Schließlich besuchte
der Autor mehr als 80 der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten:
vom Mount Everest zum Zuckerhut, vom Petersdom zum Capitol und von
der Chinesischen Mauer bis zur Golden Gate Bridge. Er konzentrierte
sich dabei nur auf das stille Örtchen vor Ort. So wird aus
einem allwissenden Globetrotter vielleicht noch ein richtiger Klobetrotter.
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| Der
Blick ins Klo (Neugier genügt, WDR 5)
Er ist ein Jahr
durch die Welt gereist, an die Stätten, an die die Touristen
kommen und an denen sie einem natürlichen Bedürfnis nachgehen
müssen: Holger Dosch hat die Klos der Welt fotografiert - und
zwar die Toiletten, die an den Reisemittelpunkten der Welt den Touristen
angeboten werden. Seine Sicht der Dinge hat er in einem kleinen
Büchlein veröffentlicht - die Stätten der Welt, an
die auch nur der Kaiser allein geht. |
Stätten
der Welt (Novum - World Of Graphic Design)
Die großen
Stätten unserer Welt: das Atomium, das Great Barrier Reef,
der Petersdom, die Niagara Fälle und die Pyramiden von Gizeh.
Holger Dosch hat sie alle (und noch einige mehr) bereist und dabei
das wirklich Sehenswerte dieser Stätten dokumentiert - die
Toiletten. Schön gestaltet und mit Tips und Anmerkungen versehen,
ist Stätten der Welt trotz oder vielleicht gerade wegen des
Themas durchaus faszinierend. Die Bilder sind nämlich keineswegs
abstoßend, sondern wecken ein fast schon wissenschaftliches
Interesse an diesen wenig beachteten Orten der großen Stätten
dieser Welt.
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Poesie
stiller Orte (IN München)
Holger Dosch hat die halbe Welt bereist - und zwar
von den touristenumwuselten Sehenswürdigkeiten häufig mehr als enttäuscht.Wieviel
spannender erschien ihm doch der Blick auf die wirklich stillen Örtchen
dieses Planeten. Am 20.03. stellte er in der Färberei (Claude-Lorrain-Str.
25) seinen originellen Bildband über die "Stätten der Welt"
vor, wo "Natur und Kultur noch unverfälscht widergespiegelt wird".
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Toiletten
an den schönsten Plätzen der Welt (Züdfunk, Bayern 2)
...man riecht förmlich das Chlor, aber Klos ohne Spülung haben defenitv
ein Geruchsproblem...
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Stätten
der Welt. Ein ziemlich beschissener Reisebildband (Uni Compact)
Als Holger Dosch
einst den Eiffelturm bestieg, stieß er auf der obersten Plattform
auf eine spektakuläre Hightech-Toilette mit automatischer Klobrillenreinigung.
Diese wr für ihn spannender als der Eiffelturm selbst und inspirierte
ihnn zu einem Reisebildband der besonderen Art. Nicht die Sehenswürdigkeiten,
sondern deren zugehörige Lokusse, Donnerbalken, kurz Aborte,
sollte dieser zeigen. Nach einer ausgedehnten Weltreise war schließlich
genug Material beisammen für den Bildband, in dem man sogar
noch einiges über die Orte um die Örtlichkeiten herum
erfährt. Prima Klolektüre oder Geschenk für Menschen,
die mit unerträglichen Reiseberichten langweilen.
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Stätten
der Welt (Back Again)
Ein Buch über die größten
Natur- und von Menschen erschaffenen Sehenswürdigkeiten der
Welt...keine besondere Erwähnung wert, sollte man denken. Bei
diesem Buch ist alles anders. Bilder vom Taj Mahal, der Chinesischen
Mauer, dem Berliner Reichstag, dem Eiffelturm und den Niagarafällen
kennt man zur Genüge, aber wie sieht es da eigentlich hinter
den Kulissen aus? Dieser Frage hat sich Holger Dosch angenommen
und an all diesen und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten das
fotografiert, was hin und wieder weitaus wichtiger ist, als jedes
Naturereignis oder jedes Monument menschlicher Leistungsfähigkeit:
die Toiletten! Nun ist dies nicht das erste Buch über öffentliche
Toiletten. Vor gar nicht so langer Zeit haben Stefan Schabenberger
und Lars Lindigkeit ihr Buch „Spülen Nicht Vergessen“ mit Bildern
öffentlicher Toiletten (inclusive der Benutzer) in Deutschland
veröffentlicht, das in Thomas Gottschalks Sendung „Wetten Dass...“
ordentlich Werbung bekam und auch tatsächlich recht gelungen
ist. Holger Dosch geht das Thema etwas zurückhaltender an und
liefert dennoch das bessere Buch ab, weil es weniger Effekt heischend
daher kommt. Das Format ist kleiner, es steht kein ganz großer
Verlag dahinter, der viel Kohle in Promotion stecken kann und außerdem
sind die Bilder ohne menschliches „Beiwerk“ aufgenommen. In seiner
Schlichtheit wirkt das Buch sympathisch. Das Ganze ist auch weniger
als das Konkurrenzprodukt auf Belustigung ausgerichtet, sondern
sehr sachlich kommentiert, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt.
Die Toiletten selbst werden überhaupt nicht kommentiert, sondern
es gibt Fakten zu den jeweiligen Orten und einen kurzen persönlichen
Kommentar. Im Prinzip also ein ganz normaler Fotoband, nur, dass
statt der beschriebenen Stätten eben die jeweils dazu gehörende
öffentliche Toilette abgebildet ist. Dabei ist hoch interessant,
wie unterschiedlich in den verschiedenen Regionen der Welt die Bauweise
der Toiletten ist. Dass die hygienischen Zustände natürlich
auch extrem unterschiedlich sind, ist keine Frage, aber da gibt
es so manche Überraschung, denn nicht immer sind die Verhältnisse
so, wie man es erwarten würde. Da gibt es einfache Löcher
im Boden und vollautomatische High-Tech-Klos, enge Kabinen und geräumige,
weiße Toilettenschüsseln, schwarze, braune, silberne
und und und. Und einmal mehr gibt es den Beweis: auf der ganzen
Welt gehen die Leute auf Klo, es ist also nicht wie in Hollywood-Filmen,
wo diese Örtlichkeit kaum zu existieren scheint. Ein schönes
Buch, ein ungewöhnliches Buch über die gewöhnlichste
Sache der Welt und ein sehr unterhaltsames Buch, das auf dem Bücherregal
in der heimischen Nasszelle seinen Ehrenplatz finden sollte.
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